Heute endlich einmal ein fast schöner Sonnenaufgang. Es ist windig, die Wolken ziehen schnell, lassen keinen Regen herunter. Ich schleiche durch die schöne portugiesische Landschaft. So richtig in Gang bin ich heute Morgen noch nicht. Eindeutig schiebt mein Verstand das auf die gestrige Unterbrechung meiner Pilgerfahrt durch die Autofahrten zum Restaurant hin und zurück. Mein Verstand ist zufrieden, es gibt einen Grund, und er fragt gleichzeitig: Muss es überhaupt einen Grund geben oder reicht es nicht schon, es zu merken und sich darauf einzustellen? Mit dieser Lösung ist dann auch mein Bauch zufrieden und wie auf Bestellung taucht eine Bar für einen Café solo und einen Orangensaft auf. Meine Pause fällt deutlich länger als sonst aus. Ich komme mit einem Portugiesen ins Gespräch, der den Camino schon öfter gegangen ist. Die Lebensgeister sind geweckt, mein Schritt ist beschwingt auf dem weiteren Weg. Doch dann fehlen meine Stöcke, also noch einmal beschwingt zurück. Pilgern ist so zur Routine bei mir geworden, dass ich manchmal vergesse, welch einen Luxus ich mir da leisten kann. Um 11:30 Uhr taucht wieder eine Bar auf und ich gönne mir die üblichen Getränke und eine kurze Pause. Um zu ermitteln, wo ich mich hier befinde, bin ich zu faul. Gemütlich schlendere ich den schönen Weg weiter. Die nächsten Häuser, darunter auch eine Bar, tauchen auf, ein Vorort von Valença. Bis zur Stadtmitte sind es nur noch zwei Kilometer. Jetzt ist es erst Viertel nach eins. Für die vier Kilometer von Valença nach Tui werde ich dann aber zwei Stunden brauchen. Eine zum Laufen und eine Stunde Zeitverschiebung.

Die halbe Stunde entlang der Einfallstraße nach Valença verkrafte ich gut. Ich biege links zur Stadt ein, denn diesmal will ich mir die Festungsanlage und die Stadt anschauen. Wie auf Kommando fängt es an zu regnen. Dafür haben eine Kapelle und eine Kirche geöffnet. Ich verweile und danke, dass ich den portugiesischen Teil meines Caminos so gut geschafft habe. In der Bar neben der Kirche mache ich Pause und bemerke, dass mein Stift weg ist. Also borge ich mir einen von der Bedienung und habe einen neuen Punkt auf meiner Einkaufsliste. Ich schlendere durch die historische Innenstadt, die innerhalb der Festungsanlage liegt. Ich bin über mich selbst erstaunt, wie viel Ruhe ich heute habe. Irgendwann kommen mir alle Häuser bekannt vor und ich beschließe, mich auf nach Spanien zu machen. Es ist wieder ein Erlebnis, die lange Brücke über den Grenzfluss zu gehen. In Tui brauche ich drei Anläufe, um die dicht neben der Kathedrale gelegene Herberge zu finden, aber dafür kenne ich mich jetzt wieder in der Innenstadt aus. Der Hospitalero erkennt mich wieder und beim Einkauf des Stiftes zaubert die Verkäuferin eine Menge deutscher Brocken hervor. Ich gehe ins mir vertraute Café Museo und fühle mich zu Hause. Andrea kommt auf den Gongschlag und nach einem Kaffee machen wir uns auf Restaurantsuche. Sie schlägt vor, ein Stückchen mit dem Auto zu fahren, und ich stimme zu. Das Stückchen entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Stück. Doch die Fahrt hat sich gelohnt, ein kleines, gemütliches Tapas-Restaurant erwartet uns. Der unter Pilgern so oft übliche intensive Kontakt ist direkt wieder da. Wir geben und wir bekommen gegenseitig etwas zurück in unserem Gespräch. Zurück fährt Andrea schneller und das ist auch gut so, die Kathedrale schlägt zehn Uhr, als ich vor der Herberge im Laufschritt eintreffe. Ein gelungener Abend wäre untertrieben zu sagen.

Hier der Start- und Endpunkt der Etappe am 11. Februar von Rubiães, Albergue de Peregrinos de São Pedro de Rubiães nach Tui, Albergue de Peregrinos de Tui

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