Morgens bin ich noch der einzige Gast in der Bar. Erst jetzt neh­me ich die vielen gerahmten Presseberichte an den Wänden wahr. Leider läuft der Fernseher, doch gerade kommt der Wetterbericht und der versöhnt mich. Es sollen heute in Porto wieder 24 Grad werden. Nach einem ausgiebigen Frühstück in aller Ruhe mache ich mich auf den Weg.

Ich komme in Barcelos an. Weder Uhrzeit noch Temperatur ermittle ich, doch es ist warm. Und dank der Information von Antonio gestern kann ich ausrechnen, dass es noch 22 Kilometer bis zu Fernanda sind. Kein Grund hektisch zu werden, ich bin ja angemeldet. Direkt neben der Kirche Bom Jesus gönne ich mir eine ausgiebige Pause. Rucksack und Rücken dürfen trocknen. Vorfreude auf den Rundgang durch die Kirche kommt auf. Doch jetzt dürfen erst einmal auch noch die Füße lüften, ich sitze ja draußen vor der Bar.

Vom Küster bekomme ich in der Kirche dann noch einen Stem­pel in den Pilgerpass. Was kann ein Pilgerherz mehr erfreuen? Ich halte meinen Pilgerpass auf dieser Pilgerfahrt frei von Bar-Stem­peln. Die kommen zur Erinnerung in mein Tagebüchlein.

Dann will ich nur noch laufen. Der Kopf ist frei, das Tagesziel, gemes­sen an meiner Kondition und für den dritten Tag, ehrgeizig. In aller Ruhe laufe ich vor mich hin, mache häufig Trinkpausen und fülle auf einem Friedhof meine Wasserflasche auf. „In der Ruhe liegt die Kraft“ wäre der Spruch meines Vaters an dieser Stelle.

Die Herberge von Tamel taucht auf, ich lasse sie rechts liegen. Letztes Jahr habe ich hier gut geschlafen. Der Weg zieht sich, ich mag es kaum sagen, ich spule ihn einfach ab, so wie er kommt, sehe sogar die Blumen rechts und links am Wegesrand, höre sogar die Vögel zwitschern. Ich treffe auf eine Kapelle. Kurz dahinter hält ein Auto auf dem Feldweg, das Bei­fahrer­fenster wird herun­tergekurbelt und ich bekomme die Information: Bis zu Fernanda sind es nur noch 1,5 Kilometer.

Ich finde bei ihr alles geöffnet vor, drei Pilger aus New York sind schon da – Jake, George und Sam. Sam stellt das Trio mit einem Augenzwinkern vor: „Va­ter, Sohn und ich bin der Heilige Geist“. Irgendwann kommen Fernanda und ihr Mann von der Arbeit und stellen uns erst einmal einen Krug Wein auf den Tisch, dann beginnt Fern­anda zu kochen. Das Abendessen gibt es drinnen in ihrer Wohn­küche. Fernan­da kann sehr gut kochen, alles schmeckt prima. Die beiden Hospitaleros sprechen ein lustiges Englisch. Es ist ein wunderschöner Abend. Fernandas Mann geht mehrmals zu Nachbarn um den Weinkrug nachzufüllen. Dann kommen auch noch Portweinflaschen auf den Tisch. Trotzdem geht es für mich recht früh zu Bett, die 31 Kilometer heute haben mich müde gemacht. Die Nase im Buch schlafe ich ein.

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