Ein einfacher Tag wird das laut Führer, nur 20,3 Kilometer über Pamplona nach Cizur Menor. Und so ist es auch. Die große Hitze ist vorbei, aber es zeigen sich dicke Wolken am Himmel. Ein schöner Weg, oft an einem Flüss­chen entlang. Dann fängt es an zu regnen, aber ich habe ja meinen Schirm. In einem Vorort von Pamplona mache ich in einer Bar halt. Bald schwemmt eine internationale Pilgerschar an den Nachbartisch. Ich frage die Amerikanerin, mit der ich in den letzten Tagen schon ein paar Worte gewechselt habe, nach der Uhrzeit, denn mein Handy mit der Zeit ist im Rucksack vergraben, und sie antwortet: „Ja, wir können zusammen gehen." Großes Gelächter bei den anderen Pilgern. Alle zusammen brechen wir auf, doch bald sind Michelle und ich zusammen allein auf dem Weg. Sie sagte es doch! Wir erreichen Pamplona zusammen mit dem Ausbruch des Gewitters, stehen im Torbogen und ziehen uns unsere Regenhosen an. Ich kämpfe mit dem Teil, es kommt mir ewig vor. Man soll die Reißverschlüsse wohl doch nicht alle ganz öffnen. Michelle hält geduldig die eine Seite, während ich den Verschluss an der anderen zusammenfummle. Vorteil der Aktion, jetzt hat es fast aufgehört zu regnen und wir gehen zusammen in die Stadt, suchen die Kirche – geschlossen, wie so viele Kirchen auf dem Weg. Für eine offene Kirche sind wir zur falschen Zeit hier. Also in eine Bar, etwas essen und trinken, dann den Stempel bei der Touristeninformation besorgen. Schon sind wir wieder raus aus der Stadt, Michelle hat es eilig, ein enger Terminplan bis Santiago, ich habe eh keine Lust auf Stadt. An der Universität vorbei (noch ein Stempel) geht es wieder in die Vororte. Hier schaffen wir es, uns zu verlaufen. Das wird später mein Standard beim Verlassen der Städte. Nach gut einer Stunde kommt links eine Kirche mit roter Malteserfahne in Sicht, die einzige Herberge der Malteser auf dem Camino, lernen wir später vom deutschen Herbergsvater mit dem klingenden Namen Ambrosio. Er macht den Job ehrenamtlich, in der Regel einen Monat im Jahr, und zahlt auch noch seine Reisekosten selber. Sein Wechsel der Sprachen zwischen Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch ist beeindruckend, er war Englischlehrer. Ein Spanier erklärt uns auf Englisch die Kirche und die Verbindung des Malteserordens zu dieser Herberge. Abendessen haben wir im nahe gelegenen Restaurant, neun Pilger aus fünf Nationen. Emmanuelle aus Brüssel ist auch hier gelandet, wir unterhalten uns über unsere Wünsche/Hoffnungen auf dem Camino. In der Kirche ist jetzt offenes Singen, Ambrosio, der Herbergsvater, singt zur Gitarre. Meine Noten von „My Way" bleiben im Rucksack.

Hier der Start- und der Endpunkt der Etappe am 25. August von Larrasoaña nach Cizur Menor:

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