Mein Plan sagt Ruhetag. Mit Michelle bedeutet Ruhetag 23 Kilometer, die aber in aller Ruhe. Den Wecker im Handy habe ich auf 7:00 Uhr gestellt, aber gegen 6:00 Uhr früh fängt Manni an, mit seinen Tüten zu rascheln. Das ist bei ihm schon eine Stunde später als sonst – Ruhetag halt. Also, wenn wir schon wach sind, können wir auch aufstehen. Wir holen uns einen Kaffee am Automaten und dann los. Aus dem Dorf hinaus in der Dunkelheit, den Weg kennen wir ja noch von gestern. Mitten auf dem Feld meldet sich dann mein Wecker: 7:00 Uhr. Das macht er dann mit schöner Regelmäßigkeit jede Viertelstunde, irgendwann reicht es, kurze Pause, nach dem Handy graben und den Lärm­macher ruhigstellen.

Es wird ein heißer Tag. Gestern hatten wir schon bei einigen Häusern private Schwimmbecken gesehen und fanden das ungerecht. Wir bestellen beim Universum ein Schwimmbad für uns. Zunächst aber Stopp in jeder Bar, die auftaucht, zwecks Kaffee oder Orangensaft oder beidem. Michelle erinnert sich an ihre Südamerikatour und den Brauch, sich an jeder Wasserstelle mit Wasser zu übergießen. Das tut sie dann auch und so heißen die Fuentes in Zukunft „Pilgramshower" bei uns und Michelle nur noch „Miss Wet-T-Shirt".

Eine Kirche steht etwas abseits, der Altar und ein Tisch sind bedeckt mit Botschaften, zurückgelassenen Erinnerungen von Pilgern. Ein unheimliches Gefühl befällt uns beide und wir sind schnell wieder auf dem Weg. Enttäuschung dann am Weinbrunnen, Wasser ja – Wein ist alle. Soll uns das etwas sagen? Später biegen wir mal wieder rechts zu einer Bar ein und können es gar nicht glauben, hinter der Bar ist ein Schwimmbad. Der Kaffee (oder stand uns der Sinn nach einem Wein?) ist vergessen, die zwei Euro pro Person schnell bezahlt, nach der Badehose erfolgreich im Rucksack gegraben. In Michelles 8-kg-Rucksack findet sich kein Badeanzug, Top und Shorts tun es auch. Ein prima Gefühl! Nach dem Schwimmen noch eine halbe Stunde durch die brütende Sonne, wir sind da: eine einfache, sehr saubere von Holländern geführte Herberge. Das beste Abendessen, das wir bisher auf dem Camino hatten, mit viel Salat und viel Gemüse. Für Mannis Füße wird eine große Schüssel hervorgezaubert, die riesige Blase an seinem kleinen Zeh sieht wirklich schlimm aus. Manni erzählt uns von dem Schwimmbad, dass ihm das Universum geschickt hat, mit Whirlpool und so. Und so hat jeder bekommen, was er verdient. Ich büße das Schwimmen mit einer Blase am rechten Hacken, habe also empirisch bewiesen, dass es richtig ist, nicht mit durchweichten Füßen in die Wanderstiefel zu steigen. Michelle freut sich fast darüber, dass ich endlich auch mal ein Problem habe. Das Bild vom durch nichts zu erschütternden Deutschen hat einen Kratzer bekommen. Ist das Schadenfreude – nein, nur Freude am Leben.

Hier der Start- und der Endpunkt der Etappe am 27. August von Cirauqui nach Villamayor de Monjardin

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