Gestern saß ich mit Katharina, Mechthild und Wolfgang im „Medo" in Siegburg bei einem netten Abendessen zusammen. Ich war in der Minderheit, ein „Evangele" unter drei „Katholen". Und so warf ich die Frage auf, die mich derzeit stark beschäftigt: „Kann ich als evangelischer Christ eigentlich pilgern?" Die Antwort von Mechthild war prompt und ihr wurde nicht widersprochen: „Pilgern ist nicht den Katholiken vorbehalten."

Also werde ich es mir abgewöhnen zu sagen: „Ich gehe mal eben quer durch Spanien." Ich werde in Zukunft das Kind beim Namen nennen: „Ich werde nach Santiago de Compostela pilgern." Denn für mich ist es keine normale Wanderung, da gäbe es nettere Routen. Mich hat der Virus des Camino gefangen.
Bleiben die Fragen: „Warum?" und „Was suche ich?"

Vor mir sind Millionen Menschen den Weg gegangen, jedes Jahr sind es derzeit über 100.000 (im Jahr 2017 sind es übrigens ungefähr 300.000), die aus der ganzen Welt kommen, um gerade diesen Weg zu gehen. Einige haben aufgeschrieben, was sie erlebt haben. Ich habe das Buch von Shirley MacLaine „Der Jakobsweg" nur zum Teil geschafft. Das Hörbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg" war da schon kurzweiliger. Gut zu lesen fand ich auch das Geschenk meiner Lebenspartnerin Katharina „Zwei Esel auf dem Jakobsweg" von Tim Moore. In seinem Buch „Bis ans Ende der Welt" schreibt René Freund nach 15 Tagen Pilgerschaft über die Motive: „Da fiel uns auf, dass wir sie noch immer nicht kannten." Ich finde, so recht benannt hat keiner den Grund und den Nutzen der Pilgerschaft. Das beruhigt mich, denn Pilgern ist wohl wirklich nichts, was der Kopf entscheidet und der Verstand zu 100 Prozent argumentativ manifestieren kann.

Ich bin sicher, auf dem Weg etwas zu finden, wovon ich gar nicht ahne, dass ich es suche. Und es wird mir guttun, es gefunden zu haben.

Dagmar schrieb mir in einer Mail: „Die Sache mit dem Jakobsweg finde ich gut. Passt zu Dir."

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