Der letzte Pilgertag mit Manni. Nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns von der jungen Pilgerin aus Gummersbach. Die Eselsbrücke für ihren Namen ist „Göttin der Sklaven mit D“ und „Domina“ war es nicht. Ich schaue zu Hause nach und komme auf „Diana“, die ich bisher nur als Göttin der Jagd kenne. Auf jeden Fall bleibt sie heute hier und schont ihre Gesundheit. Frau Böcking hat eine große Gruppe zum Frühstück zu Besuch und wir haben alle bis spätestens 9:30 Uhr zu verschwinden. Doch Zeit für ein gutes Frühstück auch für uns Pilger bleibt. Auch Zeit für ein Abschiedsfoto ist, denn sie hat begonnen eine Wand mit Fotos der beherbergten Pilger zu dekorieren.
Die Wanderung nach Osann – Monzel ist unspektakulär. Heute am Samstag sind viele Wanderer unterwegs. In einem Weinberg kracht es plötzlich hinter uns. Wir drehen uns um und sind geschwind bei Fritz, dem Pilger aus Berlin, der auf der Erde liegt. Er hat das Stahlgitter über die Straße nicht ernst genommen, das bei dem gerade herrschenden Nieselregen besonders glatt ist. Manni und ich sind automatisch am Rand vorbeigegangen. Ein paar tausend Pilgerkilometer in den Knochen zu haben, hat doch seine Vorteile. Fritz rappelt sich hoch und klopft alle Glieder ab – noch einmal gut gegangen.
In Osann-Monzel kommt uns Claudia, Mannis Lebensgefährtin, schon entgegen. Wir finden das Gasthaus und Manni darf in meinem Zimmer mit Genehmigung der Gastwirte duschen und die frischen Klamotten anziehen, die Claudia mitgebracht hat. Ich beschränke mich darauf mein Ausgehhemd glatt zu streichen und ihm ein paar Stunden auf dem Bügel am Fenster zu gönnen.
Bei Abendessen haben sich die drei Pilgerin von letzter Nacht an unserem Nachbartisch eingefunden. Manni und Claudia lassen sich nicht lumpen und laden mit zu dem Abschiedsessen ein. Als die beiden verschwunden sind, verkoste ich noch einen Schoppen von der umfangreichen Weinkarte und werde zu den drei Pilgerinnen herübergebeten. Da ich auch die Namen nicht aufgeschrieben habe, könnten sich hierbei dichterische Freiheiten eingeschlichen haben: Heidi, Ramona, Yvonne. (Dank einer Mail der „Mädels" habe ich die Namen, die mir meine grauen Zellen lieferte, berichtigen können. Die Damen nahmen mir es überhaupt nicht übel dass ich sie in meinem Tagebuch zunächst Ilona und Rosemarie taufte.)
Ich greife verbal etwas in die Pilgerkiste und werde von Heidi gefoppt, kontere geschickt und wir haben alle drei viel Spaß.
Ich lerne im Gasthaus drei Generationen Wirtsleute kennen. Die Enkelin hat mir mein Zimmer gezeigt, das Restaurant wird von der erfahrenen Generation geführt. Die stellen, als nur noch wir vier vor unserem Schoppen sitzen schon einmal mit Schwung die Kaffeetassen für morgen früh auf alle anderen Tische. Wir verstehen das als Rausschmiss und sind sicher keinem Missverständnis zum Opfer zu fallen.
Der für mich perfekte Abschluss ist dann, dass Heidi die Zeche für alle Getränke an unserem Tisch übernimmt, auch meinen Schoppen. Das war ein kostengünstiger Pilgertag für mich.
Ich versichere den Stempel vor dem abendlichen Zechen in den Pilgerpass gedrückt zu haben. Er ist auch bei den anderen Pilgern so verwischt.

Der Pilgerstempel des Weinortes Osann-Monzel:

Mosel - Camino: Pilgerstempel des Weinortes Osann - Monzel

 

 

Gar nicht abergläubisch durfte ich diese Nacht in Zimmer dreizehn mein Haupt niederlegen. Ich hatte den Luxus eines Dreibettzimmers zum Preis eines Einzelzimmers.

Mosel Camino: Übernachtungsbeleg Osann Monzel, Gästehaus zur Traube, Michael Ballmann

 

Mehr Information zum Weingut und Gästehaus „Zur Traube" unter: http://ballmann-zenz.de

Die Etappenkarte von Traben-Trarbach, Pilgerherberge Alte Lateinschule → Osann-Monzel, Weingut und Gästehaus Zur Traube

Weitere Information auf der Seite: http://www.wanderkompass.de/Deutschland/mosel-camino-etappe-5.html

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