Heute Morgen trödle ich so lange, bis es nicht mehr geht. Merzkirchen ist ein winziger Ort und es ist leicht, den Weg zu finden. In der Kapelle zu Körrig zünde ich die erste Kerze des Tages an und nehme mir noch mehr Zeit, um zur Ruhe zu kommen. In der Kapelle in Fisch finde ich im Buch einen Eintrag von Magdalena, der Pilgerin aus Berlin. Sie wundert sich, so wie auch ich schon lange, über die Richtung, in der die Jakobsmuscheln angebracht sind. Im letzten Dorf habe ich den älteren Herrn getroffen, bei dem Magdalena übernachtet hat. Er hat mir meinen weiteren Weg ausführlich und genau beschrieben. In Fisch treffe ich ein Pilgerehepaar. Gemeinsam machen wir Pause, schwärmen uns von unseren Caminos etwas vor. Dann geht es bei mir weiter nach Tawern. Kurz vor dem Ort lädt der römische Tempelbezirk zu einem Rundgang ein. Das Café in Tawern, dass ich in so guter Erinnerung habe, ist am Samstagnachmittag leider geschlossen. Dafür ist die Friedhofskapelle geöffnet und ich nehme mir Zeit, zur Ruhe zu kommen. Von einem Ehepaar, das im Vorgarten arbeitet und das ich nach dem Weg frage, bekomme ich Kaffee, Bier oder Wasser angeboten. Ich lehne dankend ab, hoffe noch auf einen geöffneten Gasthof. Den finde ich dann um 15:30 Uhr auch in Konz. Bei einem alkoholfreien Weizen fälle ich die Entscheidung, noch die ca. zehn Kilometer bis Trier zu gehen, denn der Himmel ist nach wie vor strahlend blau. Zwischen Tawern und Konz hat mich in einem kleinen Wäldchen der Ruf eines Kuckucks eine Weile begleitet. Hier auf dem Rathausvorplatz von Konz geht das Zwitschern der Vögel im Verkehrslärm fast unter. Ich gehe hinunter zur Saar, die bald in die Mosel mündet. Der Weg am Flussufer ist schön, zieht sich aber. Erst beim dritten Hinweisschild auf einen Biergarten werde ich schwach. Dem Biergarten ist ein Hotel angegliedert – oder umgekehrt. Und so werde ich auch in puncto Übernachtung schwach. Ich nehme mir vor herauszufinden, wie der Ort heißt. Doch eigentlich ist das egal, Hauptsache ist doch: Ich fühle mich wohl. Nach den vielen Begegnungen tut es heute Abend wohl, für mich zu sein, auch wenn der Biergarten gut besucht ist. Das ist eben der Unterschied zwischen Begegnungen mit Pilgern und Otto-Normal-Bürgern. Man bleibt für sich. Auch wenn die Bedienungen auf dem Rücken ihrer T-Shirts den Spruch „Bei uns werden Gäste zu Freunden" spazieren trägt. Nach einer Weile ergibt sich ein Gespräch mit dem Pärchen am Nachbartisch, zu dem ich mich schließlich setze. Sie kommen aus der Steiermark und hatten etwas Berufliches in Luxemburg zu klären. Unser weiteres Gespräch dreht sich um unsere erwachsenen Kinder. Und es ist fast Mitternacht, ehe ich zu Bett gehe.

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