Nichts in mir will heute früh losgehen. Und so trödle ich bis gegen 9:00 Uhr. Aus Bollendorf hinaus finde ich den Pilgerweg nicht, frage mich durch und werde prompt zur Straße geschickt. Für einen zweiten Anlauf aber fehlt mir die Energie und so spule ich die zwei Stunden bis Nusbaum auf der Straße ab. Der Gasthof in Nusbaum ist geschlossen, dafür ist die Kirche geöffnet. Es gibt sogar ein Hinweisschild, wo es den Pilgerstempel gibt. Ich komme zur Ruhe, zünde eine Kerze an. Besonders die Kunstwerke der Kinder haben mich beim Besuch der Kirchen in den letzten Tagen angesprochen und so auch heute hier in Nusbaum.
Bis Mettendorf ist es noch einmal eine Stunde und hier sind Gasthof und Kirche geöffnet. Wieder beeindruckt mich am meisten die Kunst der Kinder – oder müsste ich sagen: der Jugendlichen? Wie übergeben wir unseren Kindern unsere Welt?
Eine Stunde weiter, immer entlang der Enz, bin ich in Sinspelt und mache Rast in dem Hotel, in dem ich letzten September so gut übernachtet und gegessen habe. Doch heute ist es zu früh, um schon Quartier zu machen. Bis Neuerburg sind es nur noch sechs Kilometer. Trotz Ruhetag bekomme ich mein alkoholfreies Weizen und habe Zeit, den Führer samt Karte zu studieren. Kurz kommt der Gedanke auf, heute weiter bis Waxweiler zu gehen. Ich verschiebe die Entscheidung bis Neuerburg. Der Weg dahin ist schön, schön bergauf zunächst. In Neuerburg spricht mich kein Gasthaus an, doch im Führer lese ich, dass in der Burg eine Jugendherberge ist. Heute ist einmal das einfache Leben des Pilgerns in Herbergen dran. Es sind zwei Jugendgruppen im Haus. Das kann eine turbulente Nacht werden. Doch zunächst einmal sitze ich im Burghof in aller Stille und lausche den Vögeln und dem Wind. Kurz vor sechs strömen die beiden Kindergruppen in den Burghof. Ich erinnere mich an die Freizeiten, bei denen ich als Betreuer gewirkt habe. Es war eine schöne Zeit mit schönen Rad- und Bergtouren.
Obwohl dieses Haus als Pilgerherberge im Führer ausgewiesen ist, bleibe ich heute der einzige Pilger.
Die Frage, welche Touren ich nächstes Jahr wohl unternehmen werde, geht mir seit gestern nicht mehr aus dem Kopf. Dabei habe ich ja in diesem Juni noch ein Stück Via Francigena mit Michelle und im September den Camino Primitivo geplant und die Hinflüge sind schon gebucht. Für Januar/Februar bietet sich vielleicht der Camino Francés ab León an, für August und September die Via del la Plata ab Sevilla und vielleicht zwischendurch ein weiteres Stück Via Francigena mit Michelle. Es ist schön zu träumen!

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