Heute Morgen werde ich um 6:00 Uhr von den Kirchenglocken geweckt. Dafür erwartet mich ein liebevoll zubereitetes Frühstück. Nach dem vielen Kaffee bin ich wach genug, um meinen Füßen die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdienen und brauchen. Die Sonne scheint wieder, nicht nur draußen, sondern auch in meinem Herzen. Laut Führer sind es heute nur 22 Kilometer. Aber daher, wo der Führer mich führen will, gehe ich heute mal wieder nicht. Dafür habe ich einen schnellen Schritt drauf, mache wenige Pausen. Offene Kirche oder offene Gasthäuser zum Verweilen gibt es am Wegesrand auch nicht. Und so bin ich schon um Viertel nach eins in Blankenheim. Direkt beim ersten Fragen klappt es mit dem Quartier. Ich mache mich auf in die Kirche, zünde eine Kerze an und komme zur Ruhe. Im benachbarten Museumscafé erhalte ich meinen Pilgerstempel und eine Stärkung. Beim Reflektieren des Wandertages komme ich auf die Frage : „Darf Freizeitsport Lärm machen?" Heute ist mir besonders der Lärm einiger Fluggeräte aufgefallen, aber auch die immer in Scharen vorbeibrausenden Motorräder. Wie gut, dass mein Laufen bis auf das Knarren der Schuhe so geräuscharm ist. Passend zu meinen Gedanken finde ich ein kleines Lokal mit dem treffenden Namen „Landlust". Ich schwenke ein und genieße sehr die Ruhe und den Sonnenschein. Meine Rot-Sensibilität wird wieder auf eine harte Probe gestellt, Sitzkissen und Decken erstrahlen in unterschiedlichen Rottönen. Doch glücklicherweise ist genügend grüne Natur um mich herum. Die Bedienung überrascht mich mit der Frage: „Geht's Ihnen noch gut?" Eine schöne Variante zu dem sonst üblichen: „Darf's noch etwas sein?" Meine Antwort „Gleich geht's mir noch besser!" versteht sie auf Anhieb. „Service beginnt mit einem Lächeln", habe ich heute auf einem Werbeplakat gelesen. Hier kommt es ganz natürlich aus dem Herzen. Ein kurzes Gespräch zum Nachbartisch: Austausch der heutigen Wanderstrecken inklusive der Überraschungen, wenn der Weg mal wieder anders als vorgesehen verläuft. Es ist beruhigend zu erfahren, dass nicht nur ich Meister im Finden anderer Wege bin.
Beim Abendessen freue ich mich für das Haus, dass das Restaurant rappelvoll ist, auch wenn man bald die klassische Hintergrundmusik nicht mehr hören kann. Beim Salatbuffet komme ich ins Grübeln, was ich nehmen darf, denn die industrielle Herstellung von Lebensmitteln hat nun auch das Gemüse erreicht. Ich habe trotzdem Mut zu Gurken und Tomaten. Die Eifelpfanne genieße ich ohne Sorgen, denn die Skandale zum Thema Schweinefleisch und Nudeln sind schon lange vorbei. Hat sich etwas geändert, ändert sich etwas? Ich bin sicher – ja! Mir fällt der Spruch der DDR-Bürger von 1989 ein: „Wir sind das Volk!" Sie haben etwas geändert, wir können das auch.
Der Geräuschpegel klingt langsam ab, begleitet von einem Spruch vom Nachbartisch: „Man kann's ja nicht ändern." – einem Spruch, dem ich vehement widersprechen möchte. Das Schöne ist, dass jetzt auch die Musik wieder hörbar ist: „Donau so blau".

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