Zum Frühstück bin ich fünf Minuten zu früh. Doch direkt nach mir laufen fünf andere Hotelgäste in den Frühstücksraum ein und Orangensaft und Kaffee rollen zügig an. Danach gönne ich mir einen Abschnitt im „Peace-is-every-Step"-Buch, das ich von Michelle aus Florida geschenkt bekam. Noch hatte ich auf diesem Camino keine Muße, darin zu lesen. „Living together" ist der Abschnitt, an dem das Lesezeichen noch vom Camino im Februar liegt. Doch erst einmal heißt es, den Weg aus Blankenheim hinaus zu finden. Bis zur Burg, in der die Jugendherberge untergebracht ist, ist es einfach. Dann kommt ein neuer Kreisverkehr und Wegweiser sind nur für Radfahrer da und die zeigen in ein Gewerbegebiet. Ich frage ein Pärchen, das mit dem Fahrrad unterwegs ist und letzte Nacht hier gezeltet hat. „Ja, das ist der Weg." Später verliere ich ihn wieder und spule dank Karte und Wegweisern ein paar Kilometer auf der Landstraße bis Frohngau ab. Dort habe ich Glück, die Kirche ist offen und noch von einer Hochzeit festlich geschmückt. Endlich habe ich gelernt, nicht den Wegweisern für Radfahrer zu folgen. Nach der Karte orientiere ich mich und finde bald wieder eine Markierung für den Jakobsweg. Im nächsten Ort, Roderath, ist dann sogar noch eine Gaststätte geöffnet. Ein wahres Sonntagsgeschenk. Meinen Füßen gönne ich ein bisschen Pause von den Wanderschuhen. Die Crocs sind mit einem Griff aus dem Rucksack geholt und meine Füße freuen sich. Nach der Gastwirtschaft noch eine weitere Ruhepause in der Kirche von Roderath. Dann geht es meist durch den Wald, immer leicht bergan und bergab. Ich hänge meinen Gedanken nach und so ist es nicht verwunderlich, dass bald keine Jakobsmuscheln mehr an den Weggabelungen zu finden sind. Ich gehe eine lange Weile immer der Nase nach, bis ich einen Wegweiser nach Bad Münstereifel finde. Noch 7,1 Kilometer verspricht er. Eine schöne Bank steht auch dort und so mache ich ein ausgiebiges Picknick. Brötchen, Wurst und Apfel finden sich im Picknickbeutel. Dann ist für mich noch einmal ein Umweg angesagt, bis ich bei für den Mai großer Hitze Bad Münstereifel erreiche. Quartier mache ich wieder im Haus mit dem klingenden Namen „Wolfsschlucht". Mein Zimmer ist diesmal „Das tapfere Schneiderlein". Ich stelle nur meinen Rucksack ab, wechsle die Schuhe und breche dann auf in die Innenstadt, um den sonntäglichen Touristentrubel zu genießen. Die erste Station mache ich in der Kirche. Ich finde Ruhe. Dann macht es echt richtig Spaß, in einem Straßencafé zu sitzen und still vergnügt meine Mitmenschen zu beobachten. Nach dem Kaffee besuche ich die zweite Kirche, die ich in der Stadt finde. Von draußen kommen weltliche Töne von einem Platzkonzert mehrerer Blaskapellen auf dem Klosterplatz.
Dann endlich raffe ich mich zum Beenden des Pflichtprogramms auf. Es ist so warm, dass ich draußen zu Abend essen kann. Ein kleiner Trupp von Musikern in ihren schicken Uniformen kommt vorbei. Sie haben bei dem Wettbewerb auf dem Klosterplatz zwei Pokale ergattert. Über meinen Tisch hinüber kommen sie mit der Wirtin der „Wolfsschlucht" ins Klönen.

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