Dass es am Samstag erst ab 8:00 Uhr Frühstück gibt, lese ich erst, als ich um 7:00 Uhr abmarschbereit im Frühstücksraum erscheine. So habe ich noch eine Stunde, um auf dem Bett zu chillen und meine Sachen zu durchforsten nach Dingen, die nicht weiter mitsollen. Es haben sich Quittungen, Hotelrechnungen und ein Plan von Euskirchen angesammelt. Alle meine Visitenkarten entsorge ich auch gleich in diesem Zuge. Nach dem Frühstück eine Runde zur Kirche, einen Stempel bekomme ich beim Bürgermeisteramt, das auch samstags geöffnet hat. Fast fehlt mir etwas - ich verlaufe mich beim Verlassen von Euskirchen gar nicht. Einen ersten Stopp gibt es an der Kirche in Roitzheim, eine Dame hängt gerade im Schaukasten die Neuigkeiten aus. Von ihr bekomme ich einen Stempel und die schöne Kirche gezeigt. Sogar bis in die Sakristei darf ich mit und mir dort die Wandbemalung anschauen.
Bei jedem Gespräch über den Gartenzaun denke ich an Maria, die auf dem Camino Francés diese Art von Gesprächen auch so genossen hat. Mir waren sie in Spanien aufgrund meiner mangelnden Sprachkenntnisse verschlossen.
Mir kommen Ideen für ein Zahlenmemory und für ein Tante-Emma-Laden-Memory und mich quält die Frage: „Was heißt 'Tante Emma' auf männlich? - 'Onkel ....?'."
Um kurz vor drei schwenke ich in die historische Innenstadt von Bad Münstereifel ein. Den am Morgen gesparten Schlenker habe ich am Nachmittag nachgeholt und im Friedwald mit einem netten Ehepaar ein Palaver über die Planungen für unsere Beerdigungen gehalten. Direkt hinter dem Werther Tor spielt ein Blasorchester auf. Ich interpretiere: mir zum Empfang! Alle Projektgedanken, die mir auf dem Weg durch den Kopf geschossen sind, werfe ich ins Tagebüchlein - mögen sie irgendwann einmal von jemand anderem realisiert werden. Es würde mich freuen. Hier erfahre ich wieder einmal, dass ein Café eine wunderbare Touristeninformation ist. Mir wird das Hotel „Wolfsschlucht" empfohlen und der Weg dorthin erklärt. Müßig zu sagen, dass dort noch ein Zimmer für mich frei ist. Statt Nummern gibt's hier Namen, meine fürstliche Suite mit Wasserbett heißt „Zauberfeigen". Beim Auspacken findet sich der gestern in Euskirchen verloren geglaubte Stift wieder. Habe ich heute doch tatsächlich 100% Kugelschreiber zu viel getragen! Dafür meldet sich beim Thema „Pflichtprogramm" eine Wäscheklammer abwesend. Meine Probleme sind auf Camino-Level angekommen. Als die Sparkasse beim Geldziehen meine Geheimzahl nicht mag, kommt mir die goldene Camino-Regel in den Sinn: niemals außerhalb der Geschäftszeiten an den Geldautomaten! Doch die Sparkasse gönnt mir keinen Ruhetag in Bad Münstereifel, beim zweiten Anlauf bin ich wieder liquide.
Der Strom der Tagestouristen in der Fußgängerzone ist fast zum Erliegen gekommen. Beim dritten alkoholfreien Weizen habe ich Muße, Gedanken durchziehen zu lassen, Muße, Kleinigkeiten zu bemerken. Ich formuliere die Maxime für alle meine Projektideen, für all mein zukünftiges Handeln: Positives verstärken - Negativem keine Kraft geben. Nachdem ich sieben Projektstichpunkte in mein Büchlein geschrieben habe, fällt es mir glücklicherweise wie Schuppen von den Augen: Ich muss ja nichts mehr müssen, noch nicht einmal die Welt verbessern. Beruhigt greife ich zum „Peace"-Büchlein und finde beim nächsten Abschnitt wieder inneren Frieden.
Zum guten Tagesabschluss digitalisiere ich noch meine Reisebuchhaltung, denn ein Foto wiegt weniger als ein Beleg. Vor allem kann ich bei meinen Fotos viel besser Ordnung halten als bei meinen Belegen.

Bilder der vierten Etappe meiner Pilgerfahrt auf der Via Coloniensis am 18. September: Euskirchen, Hotel Regent → Bad Münstereifel, Hotel Wolfsschlucht in meinem Google Album https://goo.gl/photos/UShZeA3mr9Z5NDPw8

 

Hier der Start- und der Endpunkt der Etappe am 18. September: Euskirchen, Hotel Regent → Bad Münstereifel, Hotel Wolfsschlucht.

Einige Bilder dieser Etappe können auch in meinem Flickr-Album betrachtet werden:

https://flic.kr/s/aHskm1uX4L

Mehr Information zu dieser Etappe auch auf fernwege.de:

http://www.fernwege.de/d/jakobsweg/koeln-schengen/003/index.html

Tagebuch vom 4. Oktober 2015:

Immer wieder einmal beschäftige ich mich mit meinen Tagebüchern. Heute war diese Etappe „dran".

Neben den Bildern, die ich in Flickr eingestellt und vor allem beschriftet habe, hat mich auch Wikipedia angezogen. Folgende Beiträge habe ich bearbeitet:

  •  Roitzheim:
  https://de.wikipedia.org/wiki/Roitzheim
  •  katholische Pfarrkirche Sankt Stephanus in Rotzheim: 
  https://de.wikipedia.org/wiki/St._Stephanus_(Roitzheim)
  •  Stotzheim:
  https://de.wikipedia.org/wiki/Stotzheim_(Euskirchen)
  •  katholische Pfarrkirche Sankt Martin in Stotzheim:
  https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_(Stotzheim)
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