Die Nacht war bestimmt von innerer Unruhe, zu viele Gedanken wurden gestern hochgespült, und so gelangen weitere Notizen in mein Tagebüchlein, doch in die Rubrik „Privat". Beim Morgenappell hat sich die siebte Wäscheklammer wieder gemeldet, dafür sind zwei Zahnbürstchen abwesend. Die einfache Erklärung ist: Beim Kosmetikbeutel ist eine Naht aufgegangen. Mein Schritt am Vormittag ist schleppend, langsam und stetig komme ich voran. An einem Wegweiser addiere ich den gegangenen und den noch zu gehenden Weg und komme auf 24,5 Kilometer statt der im Führer angegebenen 22 Kilometer. Na, die halbe Stunde mehr schaffe ich auch noch. Leider ist montags fast jedes Café und jede Gaststätte geschlossen. Der Weg schlängelt sich wunderschön durch Feld und Flur. Die Entscheidung, heute die Wandersandalen anzuziehen, war auch bis auf ein kurzes Stück über eine feuchte Wiese richtig. Kurz vor Kronenburg holt mich ein anderer Pilger ein. Mit vereinten Kräften können wir in einem Landgasthof für jeden eine Cola erhandeln. Während ich Fotos mache, zieht er schon einmal weiter. In Kronenburg lande ich zufällig in derselben Pension wie er. Mein Doppelzimmer mit Einzelbelegung ist nur unwesentlich teurer als sein vorgebuchtes Einzelzimmerchen. Das Bettzeug, perfekt auf Pilger eingestellt, hat ein Jakobsmuscheldesign. Das Universum meint es heute wieder gut mit mir. Das Vier-Sterne-„Burghotel" ist das einzige offene Restaurant in Kronenburg, das nächste liegt zwanzig Minuten zu Fuß entfernt. Auf einen solchen Rückweg im Dunkeln habe ich keine Lust, also heute wieder die Luxusvariante.

Bilder der sechsten Etappe meiner Pilgerfahrt auf der Via Coloniensis am 20. September: Blankenheim → Kronenburg in meinem Google Album https://goo.gl/photos/Zm6Cwhm2WwGwcP7r7

 

Hier der Start- und der Endpunkt der Etappe am 20. September: Blankenheim → Kronenburg.

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