Das Frühstück steht um 7:30 Uhr auf dem Tisch. Die Vögel singen rund um unsere Hütte ihr Morgenlied. Dann brechen wir fröhlich auf. Es ist seltsam, dem Führer zu folgen, ohne Wegmarkierungen zu sehen. Zunächst passt alles wunderbar zusammen. Doch dann finden wir den Weg durch die Felder nicht. Dreimal gehen wir zurück, fragen im Dorf einen Anwohner. Schließlich kommen zwei Jungen mit dem Fahrrad den Weg entlang geschoben. Nachdem wir den Ort auf der Karte zeigen, weisen sie uns den Weg. Warten auch immer auf uns und zeigen uns dann auch noch unseren Weg, als sie abbiegen müssen. Als Dankeschön gibt es ein kleines Trinkgeld.
Später merken wir wieder einmal, dass die Bäume nicht auf der Seite stehen, wo sie laut Führer sein sollten. Also gehen wir einen Kilometer zurück. An der Kreuzung zücken wir dann besser den Kompass. Bei einem Ferienheim suchen wir gerade nach der Klingel, als sich das elektrische Tor öffnet. Wir bekommen einen Kaffee und haben ein nettes Gespräch mit dem Heimleiter. Da wir unseren heutigen Zielort auf einem Wegweiser gesehen haben, quälen wir uns nicht weiter mit dem Führer herum und folgen der wenig befahrenen Straße. Für unsere Beine ist der Asphalt nicht so nettes Pflaster, doch so kann der Kopf mal abschalten und wir genießen die Landschaft und die Kühe am Wegesrand. In Acquin finden wir eine geöffnete Bar und machen eine ausgiebige Pause. Die Kinder des Hauses spielen um uns herum. Fast sind wir Teil der Familie. Wieder kommt bei mir der Wunsch nach mehr Sprachkenntnissen hoch.
An der Straße entlang geht es nach Lumbres. Dort ist unser Glück beim Bürgermeisteramt perfekt: Der schönste Stempel nach Canterbury ziert nun unseren Pilgerpass. In einer Bar stärken wir uns für den weiteren Weg. Es sind wohl noch fünf Kilometer.
Diese fünf Kilometer sind die längsten, die ich je gegangen bin. Doch schließlich erreichen wir Wisques. Zuerst kommen wir bei der Abbaye Notre Dame vorbei, einem Frauenkloster. Kaum einen Kilometer später sind wir bei der Abbaye Saint Paul. Keiner öffnet und so gehen wir erst einmal in die Kirche. Es läuft gerade eine Messe und wir genießen den Gesang der Mönche. Ein anderer Gast des Klosters sucht für uns den zuständigen Mönch. Er begrüßt uns mit einem riesigem Wörterbuch unter dem Arm, dass wir dann aber doch gar nicht zu Rate ziehen müssen. Wir sind gerade noch rechtzeitig zum Abendessen angekommen. Da Michelle als Frau im Speisesaal der Mönche nicht erlaubt ist, bekommen wir unser vorzügliches Abendessen im Speisesaal des Gästehauses serviert.
Dann unterhalten wir uns noch eine Weile mit dem Franzosen, der hier im Kloster einige Meditationstage verbringt. Ich lerne viel über die Geschichte der Stadt Guînes.

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