Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Schnell habe ich meine Sachen gepackt und bereite das Frühstück vor. Wir verabschieden uns von dem Mönch, der uns betreut hat, mit einer großzügigen Spende, denn Übernachtung und Frühstück haben hier keine Preise. Dann finden wir den von ihm beschriebenen Weg nach Saint-Omer. Die Kathedrale ist leider noch geschlossen. Wir bekommen einen Stempel im Museum und stärken uns mit einer Crêpe und Kaffee. Endlich kommt auch mein Führer zum Einsatz und ich übersetzte Michelle den Abschnitt über Saint-Omer. Nach dem Gang zum Touristenbüro besuchen wir noch einmal die Kathedrale, die nun geöffnet hat. Wir zünden beide eine Kerze an und genießen bei klassischer Musik die Stille in der Kirche. Zu unserem Zielort sind es noch 16 Kilometer, doch wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir besichtigen alle wichtigen Sehenswürdigkeiten und haben nun ein Gefühl dafür, wie weit es zwischen den einzelnen Stadtteilen ist.
Den Weg aus Saint-Omer hinaus finden wir gut. Wegweiser von der Via Francigena haben wir jetzt seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. In Helfaut machen wir eine ausgiebige Pause und Michelle fotografiert ihre Blasen an den strapazierten Füßen. Ich habe bisher nur eine Blase und die habe ich heute Morgen gut mit einem Pflaster versorgt. Das Wetter ist auch gnädig mit uns. Ab und an ein kleiner Regenschauer, der uns erfrischt.
Michelle hat noch große Pläne für unsere heutige Wanderung. Erstes Ziel ist Thérouanne. Michelles Ziel liegt noch ein paar Kilometer weiter: Auchy au Bois. Wie immer entscheidet der Moment und nicht die Planung. In Thérouanne angekommen, finden wir Hinweisschilder auf einen Campingplatz. Da wir damit gute Erfahrung gemacht haben, folgen wir den Schildern. Nach fünf Kilometern sind wir da, aber niemand anderes sonst. Die Tür ist verschlossen, alles ist ausgeflogen. Also rufen wir die angegebene Telefonnummer an. Nach einer langen Weile kommt jemand. Leider sind keine Hütten oder Caravans zu vermieten. Dafür aber wird für uns eine Gîte in Thérouanne klar gemacht. Also die fünf Kilometer wieder zurück in den Ort. Restaurants und Bars sind geschlossen, der Supermarkt hat noch offen und ein Pizzawagen steht in der Ortsmitte. Also ist für Abendessen und Frühstück gesorgt. Wir genießen die Ruhe in unserer Herberge. Michelle schläft beim Abendessen fast ein. Zehn Kilometer ganz umsonst gegangen zu sein, lässt ihr keine Ruhe.

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