Wir lassen uns heute Morgen sehr viel Zeit. Kurz hinter der Stadt geht es in den Wald. Der Weg ist gut markiert, führt aber ganz schön steil bergan. Leider ist es noch nebelig und so haben wir nichts von der im Führer als dramatisch schön angepriesenen Aussicht. Beim Fort Mahler treffen wir auf hunderte Maratonläufer. Wir machen Rast und warten, bis der Weg wieder für uns frei ist. Der Nebel verzieht sich. Im nächsten Ort stellen wir fest, dass es auf der N57 bis hierher nur fünf Kilometer gewesen wären. Wir sind seit 2,5 Stunden unterwegs, doch unsere Wegvariante hat sich gelohnt. In einer Boulangerie, die auch am Sonntag geöffnet ist, machen wir erst einmal Pause. Nun geht es 1,7 Kilometer an der viel befahrenen N57 entlang. Gerade genug für eine weitere Pause an der Ecke, wo wir auf die kleinere D6 abbiegen können. Kaum sitzen wir, ist Michelle bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, die Route für die nächsten Tage zu planen. Die nächsten beiden Etappen sind mit 37 bzw. 38 Kilometern so gar nicht nach ihrem Geschmack. Unseren Ruhetag haben wir auch noch in Reserve, da muss doch was dran zu drehen sein, den Einmarsch nach Lausanne sanfter zu gestalten. Kurz vor der Grenze zur Schweiz machen wir die nächste Pause. Diesmal ist ausnahmsweise ein Mittagessen fällig. Unsere letzten Schritte durch Frankreich müssen gewürdigt werden. Der Wirt taut mit jedem Wort ein bisschen mehr auf und unterhält sich schließlich sogar freundlich mit uns. Wir überlegen hier doch noch einmal einfach hier zu bleiben, denn wir sind an mehreren Gîtes vorbeigekommen. Das hier ist ein Skiort, so hoch sind wir heute gestiegen. Doch wir werden die zehn Kilometer bis nach Sainte-Croix heute schon noch schaffen. Dann haben wir, wie gesagt, nur noch zwei Etappen von 37 bzw. 38 Kilometern. Den letzten Tag werden wir wohl teilen und einen kleinen Umweg von neun Kilometern über Cossonay machen. Schön, dass Michelle bei der letzten Pause geplant hat. Jetzt kann sie sich auch ihrem anderen Hobby widmen und per iPhone Bilder und Nachrichten an ihre Freunde schicken. Mir fällt dabei ein, dass ich erst vier Postkarten auf dieser Pilgerfahrt geschrieben habe. Mit Katharina habe ich fast jeden Tag am Telefon gesprochen. Jedem ist etwas anderes wichtig und jeder soll es so machen, wie es für ihn gut ist. Der Grenzübergang ist nicht besetzt, wie wir traurig feststellen. Gerne hätten wir einen Einreisestempel in die Schweiz in unserem Pilgerpass gehabt. Kurz vor Sainte-Croix ist wieder einmal Planungszeit. Wir sitzen an einem schönen Steintisch. Die Frage ist jetzt aktuell, ob wir die restliche Strecke in zwei, drei oder vier Tagen gehen. Die Antwort werden wir in ein paar Tagen wissen. Jetzt sollten wir uns um das Jetzt und eine Unterkunft kümmern. Als wir in der Stadtmitte ankommen, stehen wir vor einem Hotel, das von außen den Namen nicht so recht verdient. Wir gehen erst gar nicht hinein. Hinweisschilder mit einem „H" locken uns. Als wir fast wieder in einer anderen Richtung aus dem Ort hinaus sind, stehen wir vor einem Krankenhaus, „H" wie „Hôpital". Ich spreche eine Dame an und sie malt uns einen Plan zum „Hotel de France" in meinen Führer. Wir machen uns auf, doch dann ruft sie uns nach, dass ihr Mann uns fahren kann. Wir nehmend dankend an, denn nach dem Plan würden wir uns sicher siebenmal verlaufen. Die Dame am Empfang des Hotels kommt aus Pontarlier und hat uns heute Nachmittag auf der D6 gesehen. Der Abend ist gerettet, fast, wenn da nicht der Wetterbericht für morgen wäre, der Regen verspricht. Mir hätte diese Information morgen früh gereicht, wenn ich aus dem Fenster geschaut hätte. Der Wirt spricht neben Französisch fließend Englisch und Deutsch. Nach dem Nachtessen, wie man hier sagt, zeigt der Stepcounter 34.856 Schritte an.

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