Der Wecker klingelt pünktlich um 6:15 Uhr. Ich koche Kaffee und richte das Frühstück. Kurz vor sieben Uhr ist die Stadt menschenleer. Die Sonne geht linker Hand zwischen den Häusern auf. Um 10:00 Uhr machen wir auf Baumstämmen im Wald das erste Picknick. Erst nach 25 Kilometern legen wir uns zum zweiten Mal an diesem Tag zur Ruhe. Schönes frisches Gras im Schatten eines Baumes mit Blick auf ein Wegkreuz. Im Rucksack findet sich noch etwas Käse und Brot. Es ist 14:00 Uhr und wir haben nur noch 14 Kilometer vor uns. Leider war bisher keine Bar an unserer Strecke, ein Kaffee hätte uns gutgetan, aber das Wasser tut's auch. Die Pause hat uns erfrischt. Mal sehen, ob die Muskeln freiwillig weitergehen. Erstaunlich, es geht. Endlich verrät ein Schild, dass es nur noch fünf Kilometer bis zur Stadt sind. Das sind die längsten fünf Kilometer, die wir seit Langem gelaufen sind. Heute leisten wir uns ein Hotel und, ganz unfreiwillig, weil kein Zimmer mit zwei getrennten Betten frei ist, jeder ein Doppelzimmer für sich. Das Hotel „Heinrich IV" trägt seinen Namen zu Recht. Die Zimmer sind stilvoll eingerichtet. Mit viel Palaver wird ein neues, auf alt getrimmtes riesengroßes Hotelschild aufgehängt.
Als wir heute unter dem Baum lagen und Pause machten, kam die Frage wieder mal auf, warum wir hier sind und uns diesen Strapazen aussetzen. Eine rechte Antwort hatten wir heute auch wieder nicht. Oder sollte ich sagen: Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist uns eigentlich nicht wichtig genug, um uns den Blick in den strahlend blauen Himmel, das Lauschen auf das sanfte Rauschens der Blätter der Bäume stören zu lassen.
Während der Führer heute von 39,4 Kilometern spricht, zeigt mein Stepcounter nur 37,8 an. Vielleicht war ich mit Siebenmeilenschritten unterwegs und habe längere Schritte gemacht, als eingestellt sind. Auf jeden Fall waren es 54.131 Schritte. Das ist sicher.
Obwohl Michelle vor Müdigkeit fast vom Stuhl fällt, leisten wir uns ein viergängiges Menü vom Feinsten. Die französische Küche hat was.

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