Mitten in der Nacht kräht der Hahn, ansonsten ist es fast gespenstisch still. Erst kurz nach 8:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Ich verabschiede mich von meinem Französisch-Wörterbuch. Es findet seine neue Heimat neben einem englisch-französischen auf der Kommode. Eine Karte darf auch hierbleiben. Mein Rucksack wird leichter. Erst kurz vor neun Uhr machen wir uns auf. Im Wald finden wir einen Weg, nicht den im Führer beschriebenen, aber dieser führt auch in die richtige Richtung. Also folgen wir ihm. Dann geht es wieder lange an kleinen Straßen entlang. So ist es für die Füße mühsam, aber dafür ist der Weg eindeutig einfach zu finden. Um was immer man sonst beten mag, heute bitten wir nur um eine Bar für einen Kaffee. Diese kommt dann erst nach knapp 16 Kilometern. Die Bedienung ist mit den Mittagsgästen beschäftigt, sodass wir Zeit haben, unsere Statistik zu machen: 348 Kilometer ab Tergnier und das in 12,5 Tagen. Der Durchschnitt, so verrät uns der Taschenrechner in Michelles iPhone, liegt bei 27,8 Kilometern pro Tag. Das sind die Kilometer laut Führer, nicht die, die wir tatsächlich gegangen sind. Michelle wird der zweistündige Ausflug durch den Wald ohne Weg, ohne Zeichen wohl immer in Erinnerung bleiben. Das war für sie der Wendepunkt, sich mit Karten zu beschäftigen. Zwei weitere Karten habe ich bei unserer Pause auch noch aussortiert. Der Rucksack wiegt kaum noch etwas. An einem Wegkreuz legen wir uns in die Wiese und machen eine Pause. Noch ist Käse und Brot im Rucksack. Gegen 16:00 Uhr erklimmen wir Langres. Die Festungsanlage erinnert an Valença und der Torbogen an Pamplona. Als wir in der Kirche nach einem Stempel fragen, bekommen wir vom Pastor sofort zwei Betten angeboten. Wir schauen uns in aller Ruhe die Kirche an, setzen uns in die Stuhlreihen und finden Ruhe. Die Unterkunft ist einfach, doch wir haben viel Raum für uns. Genauso wie in Spanien üblich, kostet die Herberge nur fünf Euro. Hier laufen auch noch der Weg nach Santiago und der Weg nach Rom durch. Nachdem geklärt ist, dass wir nach Rom wollen, bittet der Priester uns, für ihn in Rom zu beten, was wir ihm gerne versprechen. In einem Straßencafé sitzen wir in der Sonne, betrachten den geschäftigen Trubel in der Fußgängerzone. Michelle nutzt das offene WiFi der Bar und sendet Bilder und Nachrichten an Freunde und aktualisiert ihren Facebook-Status. Nach einem Stadtrundgang finden wir ein schönes Restaurant mit Livemusik. Schon um kurz vor 21:00 Uhr lassen wir den Abend ausklingen, denn der Wecker steht auf 6:15 Uhr für morgen früh. Der Stepcounter verrät, dass wir heute 35.183 Schritte gegangen sind.

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