Pünktlich um 7:00 Uhr sitzen wir zu fünft am Frühstückstisch. Nur die Schwester aus Angola fehlt. Nach vielen Abschiedsfotos machen wir uns auf den Weg. Nach sechs Kilometern schon der erste Kaffeestopp. Die Entscheidung, welchen Weg wir gehen, wird von Michelle noch einmal über den Haufen geworfen. Das Wetter ist trübe mit Nebel und leichtem Regen, und so wollen wir auf der Straße bleiben und die Waldwege meiden. Das ist gleichzeitig eine Abkürzung von zehn Kilometern. Michelle hat nur Sandalen dabei. An einer alten römischen Quelle machen wir eine Pause, essen unser Obst, Brot und Käse. Wir sitzen auf einer Steinbank in der Sonne, die herausgekommen ist. Mein Hut gibt ein prima Sitzkissen ab. Ein Blick auf den Tagesplan ergibt, dass es auf dieser Route doch 34 Kilometer sind. Mal sehen, was der Tag noch für Überraschungen parat hat.
Ich habe heute oft den Blick über die Landschaft schweifen lassen. Gedanken zur Taufe, Beichte, Beten und Gott sind mir durch den Kopf gegangen.
Weiter geht es auf der D102. Es gibt so wenige Einkehrmöglichkeiten, dass die nächste Bar im Führer verzeichnet ist. Nach zwanzig Kilometern haben wir uns eine weitere Pause redlich verdient. Wir tauschen uns über unsere Gefühle und Eindrücke an den vergangenen Tagen auf der Via aus. Eine Bar mit TV im Hintergrund ist der richtige Ort für solche Gespräche.
Es werden dann 35,1 Kilometer bis Mormant. Wir treffen es gut an, sind in dem Elf-Betten-Haus die einzigen Gäste. Wir hätten anrufen sollen, so wie es im Führer steht. Die Herbergsmutter sagt, dass sie nichts im Kühlschrank hat, uns daraus aber ein Abendessen bereiten wird. Die Zeit reicht noch zum Duschen und besonderer Luxus heute ist die Waschmaschine. Pünktlich um 19:00 Uhr erscheint unsere Gastgeberin mit einem großen Korb: überbackene Tomaten, Pasta, Käse, Brot und Wein. Was will das Pilgerherz mehr! Was hätte uns erwartet, wenn wir angerufen hätten und der Kühlschrank nicht leer gewesen wäre? Wir genießen das Abendessen und lassen gemeinsam unsere Gedanken schweifen. Schon um 21:00 Uhr ist Zubettgehzeit, auch wenn morgen nur 24,8 Kilometer anstehen. Nach dem Rundgang heute Abend durch die ehemalige Abbaye steht der Stepcounter auf 50.778 Schritten.

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