Beim Frühstück überlegen wir, welcher Ort wohl das nächste Ziel sein soll. Wollen wir eine normale, eine kurze oder aber eine lange Etappe? Wir beschließen, nichts zu beschließen, sondern heute Nachmittag einfach dem Gefühl zu folgen. Das hat ja mit der Quartiersuche in den letzten Tagen prima geklappt. Zunächst geht es elf Kilometer an einem Kanal entlang. Die Via nach Rom ist hier deckungsgleich mit dem Camino nach Santiago. Erst verzehren wir die Äpfel, die seit 35 Kilometern in meinem Rucksack liegen. In einem kleinen Ort verlieren wir uns, weil ich mal wieder ausgiebig Fotos mache. In dem Innenhof eines kleinen Cafés finden wir uns wieder. Der Weg durch die Weinberge der Campagne in der Mittagssonne war anstrengend. Wir treffen einen Herrn, der zusammen mit seinem Sohn den Weg markiert. Wir bedanken uns bei ihnen für die guten Markierungen auf diesem Teilstück. Ein Schild taucht auf, noch fünf Kilometer bis zu unserem Zielort Trépail. Als die hinter uns liegen, wieder ein Schild zum nächsten Ort Billy-le-Grand in vier Kilometern, aber unseren Zielort Trépail haben wir noch nicht passiert. Also die Karte gezückt und das Handy angeworfen. Diesmal ist das Handy schneller. Wir gehen zur Straße zurück, halten ein Auto an und bekommen die Information, ja, wir müssen noch ein Stück weiter an der Straße entlang. Der markierte Weg führt also nicht durch Trépail? Am Ortseingang von Trépail sehen wir dann wieder Markierungen für die Via. Der Weg ist wohl verlegt worden. Eine große Infotafel verrät, dass es hier einen Bäcker und eine Gîte gibt. Ansonsten ist der Ort im Wochenendschlaf. Wir klopfen an der Gîte an, werden eingelassen und liebevoll aufgenommen. Die alte Dame will für uns kochen. Es ist alles sehr einfach hier, aber sehr herzlich. Wir werden morgen früh angestrengt nachdenken müssen, welche Spende angemessen ist.
Noch vor dem Abendessen machen wir eine Runde durch die Stadt. Die Kirche ist abgeschlossen. Unsere Herbergsmutter bekommt mit, dass wir vergeblich an der Tür rütteln. Sie kommt mit dem Schlüssel und gibt uns eine Führung durch die kleine, aber sehenswerte Kirche. Mein Französisch ist gefordert und ich übersetze das, was ich verstanden habe für Michelle ins Englische. Eine weitere Dame kommt hinzu. Unser weiterer Weg wird ausführlich diskutiert und wir erhalten viele Empfehlungen für Übernachtungsmöglichkeiten. Ein paar fast vierzig Kilometer weite Tagesetappen stehen an, da ist jeder Tipp hilfreich. Und es soll morgen noch wärmer werden als heute. Das Abendessen ist gute Hausmannskost und ich lerne viel Französisch. Der Stepcounter zeigt 41.873 Schritte an.

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