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Alles ist fertig gepackt. Die neue Digicam ist, weil zu schwer, zu Hause geblieben, die gute alte Cannon G9 muss für die Erinnerungsfotos reichen. Ich bin gespannt, was mich diesmal auf dem Weg erwartet, was mir der Camino diesmal schenken wird. Die guten Wünsche meiner Freunde von nah und fern begleiten mich auch auf diesem Camino. Mein Buch über den Camino Francés ist noch pünktlich fertig geworden und geht in Druck, während ich meinen Camino Nr. 4 angehe. In den letzten Tagen ist León als Ziel in meinen Gedanken erschienen. Mal sehen, was das Gefühl unterwegs dazu sagt. Auf jeden Fall habe ich vorsichtshalber nicht nur den Reiseführer des Caminho Português, sondern auch den vom Camino Francés eingesteckt. Als ich den Rucksack anhebe, kommt es mir vor, als ob er hundert Kilo wiegt. Ich unterlasse es, ihn auf die Waage zu stellen, denn nichts, was in ihm ist, möchte ich auf meiner Pilgerfahrt missen. Zum Ablegen am Cruz de Ferro habe ich gleich zwei Steine mit, Erinnerungsstücke aus Lebensphasen, die abgeschlossen sind. Dort am Cruz sind sie in Zukunft wohl besser aufgehoben als bei mir zu Hause, wo sie nur die Andenkenschublade verstopfen.

Der Flug ist ruhig, einmal muss ich umsteigen auf Mallorca. Es ist Zeit genug, sodass ich mich vom Alltag verabschieden und mich auf meinen neuen Camino einstellen kann. In Porto finde ich auf Anhieb die Metro und kann mich auch daran erinnern, am Fahrscheinautomaten die englische Flagge drücken zu müssen, um klar zu kommen. Ich präge mir ein, dass es in Portugal eine Stunde früher ist, als die Uhr in meinem Handy anzeigt. Dann ist „Emmanuellezeit", ich entsorge die angesammelten Papieren vom Flug. Als ich bei der Feuerwehr ankomme, um dort um ein Bett zu bitten, weiß ich auch, was ich diesmal zu Hause liegen gelassen habe: meinen Pilgerpass. Man lässt mich trotzdem ein Bett im Mannschaftsraum beziehen. Ich ziehe schnell meine Turnschuhe an und eile am Rathaus vorbei zur Kathedrale. Gegen eine Spende von fünfzig Cent, die ich großzügig verdopple, bekomme ich einen neuen Pilgerpass ausgestellt. Ich setze mich in eine Kirchenbank und lasse die Kirche nebst Orgelmusik auf mich einwirken, komme zur Ruhe, komme an.

Dann ist es Zeit für einen Café solo auf einer Plaza. Hier ist es deutlich wärmer als in der Heimat und man kann schon draußen sitzen. Fast hätte ich doch heute ein Problem gehabt. Aber bevor ich die vergessene Tüte mit Kugelschreiber, Lesebrille, Pilgerpass und Führer für den Camino Francés, das Spanischwörterbuch, Taschenmesser und Steine für das Cruz de Ferro als ein Problem zugelassen habe, hat es sich gelöst. Soll mir diese Marscherleichterung vielleicht sagen, ich kann auch zu Hause Last abwerfen, ich muss sie nicht bis zum Cruz de Ferro schleppen? Auf jeden Fall werde ich in den nächsten Tagen lernen, wie es auch ohne laut Packliste unverzichtbare Dinge geht. Und eins ist sicher: Der Rucksack ist leichter, die Last ist schon einmal unfreiwillig reduziert.

Ein abendlicher Stadtrundgang steht bevor, verbunden mit der Suche nach einem passenden Restaurant. Ich finde das schicke Restaurant vom letzten Jahr wieder, in dem die Ober alle wie Ozeankapitäne gekleidet sind. Der Flügel steht auch noch da, doch heute hat der Pianospieler wohl frei – schade.

Hier der Start-, Zwischenlandung in Mallorca und der Endpunkt der Etappe von Wahlscheid nach Porto, Bombeiros Voluntários do Porto, per Auto, Flugzeug und Metro:

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